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Podcast zu positiven Seiten von Autismus

original Thema anzeigen

 
11.11.17, 10:04:30

HansWaldmeister

geändert von: HansWaldmeister - 11.11.17, 10:57:48

Hey,
ich habe vor, im Dezember eine Spezialausgabe meines Podcasts aufzunehmen. Thema: Positive Seiten des Autismus. Natürlich werde ich vor allem meine eigenen Erfahrungen mit einfließen lassen, sehr schön wäre aber auch, wenn ich noch Material von anderen dazu einbauen könnte. Wer Interesse hat, mitzuwirken (egal ob Autist oder Angehöriger), kann sich gerne melden. Auch per Privatnachricht, wenn es vertraulichere Dinge gibt. Egal, ob das eine Liste von Stärken, Erlebnisse oder etwas anderes sind. Bitte schreibt dazu, ob ihr gegebenenfalls namentlich/mit Pseudonym erwähnt werden wollt oder nicht. Alle Nachrichten werden selbstverständlich vertraulich behandelt.
Mehrfachnennungen sind erwünscht. Wenn fünf Leute schreiben, sie hätten einen guten Blick für Details, sehe ich ja, dass das öfter genannt wird und kann es entsprechend gewichten.
Vielen Dank für eure Teilnahme!
11.11.17, 10:18:44

Antares

Ich bin es leid erwähnen zu müssen, warum ausgerechnet ich auch positive Seiten habe als Autistin. Das empfinde ich als anbiedernd und fühlt sich für mich selbst nicht gut an.

Nicht-Autisten müssen ja auch nicht alle Nase lang ihre Daseinsberechtigung überall mitteilen/posten/... damit ihnen jemand glaubt, dass sie Selbige überhaupt haben.

Positive Seiten einer enthinderten Gesellschaft fände ich interessant. Wenn Du so etwas einmal machst, bin ich eher dabei (z.B. Ruhezeiten/Zonen in öffentlichen Einrichtungen, Barrieresensible Gestaltung von Bildungseinrichtungen zum Abbau der Behinderung Verschiedener etc...)
11.11.17, 11:05:29

Hundertwasser

Ich denke, dass es gut ist die positiven Seiten zu erwähnen - entgegen der negativen Propaganda.

Dabei verstehe ich aber voll und ganz, dass Du das nicht gut findest, Antares.
Deinem letzten Vorschlag finde ich auch sehr interessant.
11.11.17, 11:21:37

Schwester-S

Meine Kreativität und Vielseitigkeit wird in meinem Umfeld als positiver Zugang zu mir (vor mir stehend) angesehen und auch Seitenkontakte erscheinen in meiner Lust an tiefgesetzten Dekorations Ideen in Knöchelhöhe mitzumachen für gut und Willkommen geheissen!

Oft muss ich erinnern, nicht direkte Worte zu denken, sondern das auch Asperger durchaus in der Lage sind, nicht ständig mit der Diagnose Schizophrenes Denken, zu posieren, was ziemlich peinlich wirken kann.

Grüsse
Schwester-S
11.11.17, 14:13:06

HansWaldmeister

Ein paar Worte noch zum Podcast, damit ihr wisst, wobei ihr mitmacht:

Diese Sendereihe läuft seit September 2016. Davor hatte ich schon ein paar andere Podcasts, habe sie allerdings eingestellt, als ich merkte, dass ich mich von den Themen her wiederhole. Allerdings wurde mir klar, dass ich es ziemlich vermisse und deswegen habe ich mir in der Zeit zwischen meinem letzten und diesem Podcast ein paar Gedanken darüber gemacht, wie ich es verhindern könnte, immer das Gleiche zu senden. Da ich zu der Zeit ziemlich viel zum Thema Autismus las und auch den Verdacht hatte, selbst Autist zu sein (was sich später durch eine Diagnose bestätigte), war ziemlich schnell die Idee geboren, einen Podcast zum Thema Autismus zu machen. Das habe ich allerdings schnell wieder gelassen, weil mir die Ausgaben zu persönlich geworden wären.
Stattdessen habe ich mich dafür entschieden, einen Podcast mit gelegentlichem Autismusbezug aufzunehmen, in dem es sonst bunt gemischt um verschiedenste Themen geht, über alles, was mir im Alltag auffällt. Hauptsächlich um Geschichte, Musik unterschiedlichster Art und Computerthemen.
Trotzdem ist der Autismus natürlich ab und zu Thema. Und das versuche ich, in der nächsten Zeit häufiger einzubinden, denn: Ich hab gemerkt, dass es noch sehr viele Vorurteile uns gegenüber gibt. Und dagegen würde ich gerne etwas machen. Natürlich kann und werde ich das nicht alleine schaffen, aber wenn schon eine Person umdenkt, habe ich viel geschafft. Ich zeige meine Sichtweise zu den Dingen und kann so vielleicht einen Denkanstoß geben, dass man auf einige Dinge mal von einer anderen Seite rangehen sollte.
Dabei versuche ich immer, meinen Hörern auch etwas dafür zu geben, dass sie mir zuhören. Einerseits bin ich immer auf der Suche nach der bestmöglichen Klangqualität und lass mir auch mal Aufnahmen zuschicken, wenn es sich anbietet, andererseits gebe ich immer Hinweise auf weiterführende Links, wo man sich zu Themen noch tiefer einlesen kann und gebe auch Quellen an. Deswegen würde ich schon sagen, dass ich wissenschaftlich orientiert bin. Ich mag den Leuten nichts falsches erzählen.
Aufgenommen wird über ein Mikrofon und Aufnahmegerät im PCM-Format, Mono. Dabei trage ich ein Skript vor, das ich mir vorher geschrieben habe, halte mich aber nie direkt an jedes Komma, sondern tausche auch mal spontan Wörter aus - es ist also auch bei der Aufnahme noch Work in Progress ;-).
Meine Teilnehmer für diese Ausgabe können Autisten sein, aber auch Angehörige, weil ich denke, dass es sicher interessant ist, zu erwähnen, was beide Parteien wahrnehmen. Dabei ist es ganz egal, wie ausführlich und in welcher Form ihr das schreibt.
Und wenn Dinge fünfmal erwähnt werden, ist das auch nicht schlimm, im Gegenteil. Dann weiß ich: Aha, das wird öfter genannt, und kann es entsprechend gewichten.
11.11.17, 16:31:30

HansWaldmeister

Zitat von Antares:
Ich bin es leid erwähnen zu müssen, warum ausgerechnet ich auch positive Seiten habe als Autistin. Das empfinde ich als anbiedernd und fühlt sich für mich selbst nicht gut an.


Antares, natürlich wäre es schöner, wenn ich keine Ausgabe darüber machen müsste, dass der Autismus auch positive Seiten hat. Aber ich selbst merke, dass die negativen immer noch zu sehr im Vordergrund stehen und wargenommen werden. Einerseits bei mir selbst (ich denke eher an die schlechten Dinge), andererseits auch, wenn ich mit anderen Leuten über das Thema spreche. Und da möchte ich gerne etwas dagegen machen.

Denn es ist ja mitnichten so, dass Autismus nur schlechte Seiten hat, im Gegenteil. Sondern auch gute. Und die möchte ich hervorheben. Oft genug wird ja das Gegenteil gemacht, nur die schlechten Seiten erwähnt.

Deinen Vorschlag, etwas über die positiven Seiten einer enthinderten Gesellschaft zu schreiben, nehme ich zur Kenntnis und werde ihn mal notieren. Kann nicht versprechen, dass es dazu etwas geben wird, aber es ist ein iteressantes Thema und ich schau mal, was mir dazu einfällt.
11.11.17, 16:53:56

Antares

geändert von: Antares - 11.11.17, 16:55:42

Aus meiner Sicht musst Du es nicht machen, etwas Positives extra hervorheben - weil angeblich alles so schlecht ist. Dieser innere Drang der Selbstrechtfertigung existiert vielleicht in Dir, weil Du es gewohnt bist Menschen in gut/schlecht, fähig/unfähig,... in diesem Dualismus zu unterteilen, wie Du es sagst.

Die Reaktion: ich bin aber lebens-/lobenswert!

als Antwort auf flächendeckende Missachtung von grundlegenden Menschenrechten und der Missachtung der Grundgesetze finde ich selbst einfach nicht passend und von "muss" kann hier somit aus meiner Sicht überhaupt gar nicht gesprochen werden da:

es Dir ein persönliches Bedürfnis ist

Was ja auch verständlich ist in so weit, dass Du selbst an Dir schlechte Dinge in Bezug darauf siehst Autist zu sein. Rechtfertigung bewirkt aber niemals eine Veränderung der Gesellschaft, um Menschenrechte und Grundrechte einzufordern.

Es gibt schlicht keine Voraussetzung die man erfüllen muss, damit der GG Anwendung findet oder die Konventionen. Das steht einem jeden Menschen zu, Diversität, Neurodiversität, Gesellschaftsstrukturen, Barriereregulation... das sind alles Stichworte, die Gesellschaft verändern.

Mit: der Autist ist aber auch positiv... kommt mir das vor wie: sieh her, diese Rasse ist aber auch lobenswert, sie können Männchen machen... neben all den Defiziten, aber dafür lohnen sie sich, wirklich... kaufen Sie sich ihren Autisten ^^ - sie lohnen sich... und dann? Werden sie in der überspitzten Darstellung von mir auf "dem Arbeitsmarkt" für diese und jene Fähigkeit vermarktet - eben wie dressierte Hündchen.
11.11.17, 16:55:44

HansWaldmeister

Da werden wir unterschiedliche Ansichten haben. Danke für deine Antwort.
11.11.17, 17:36:40

Antares

Es sind insbesondere verschiedene Lebensweisen. Dadurch bedingen sich automatisch unterschiedliche Ansichten, manchmal laufen sie konträr.

Sich bei einer Gesellschaft anbiedern ist Vieler ihr Weg, von daher ist es viel mehr wie eine Ansicht. Es zieht sich durch viele Bereiche, was Du machst, wie Du mit Dir umgehst, was Du somit siehst und wie Du es weiter gibst.

Ich sehe schlicht keinen Anlass einem Menschen der: mich verurteilt Argument dafür zu liefern, warum er mich mögen soll. Letztendlich werden diese Menschen ihre Verurteilung von Diversität nicht aufgeben, auch wenn man positive Beispiele bringt. Der Weg der Integration hat das Jahrzehnte lang versucht.

Es ist somit auch Erfahrungswert. Ich kann zu diesem Thema diesen Beitrag leisten fällt mir da gerade auf. Du meintest ja, Du möchtest ein breites Spektrum zu diesem Thema abbilden?
11.11.17, 17:40:59

Antares

- Das Positive an Autisten: für sie gilt das Menschenrecht und Grundgesetz wie für jeden anderen auch, als Teil gesunder menschlicher Vielfalt

- Das Positive an Autismus: Das Gesellschaftsphänomen der Autisten zeigt eine Diversität im Sein auf, was als positiver Aspekt der Gesellschaft betrachtet werden kann

- die Gesellschaft wird durch die Existenz von Neurodiversität dazu aufgefordert wieder an ihre eigenen Grundwerte zu denken, sich auf sie zu besinnen und einzuhalten

das kommt letztendlich Allen zu Gute
11.11.17, 19:41:38

HansWaldmeister

Alles klar, vielen Dank für deinen Beitrag.
Jetzt bin ich gespannt, was andere zum Thema gute Dinge am Autismus zu sagen haben :-) .
11.11.17, 23:26:17

Kaleidoskop

Ich könnte dir eine Buchempfehlung geben, die das negative Image von Autismus in Frage stellt. „Autismus Außen und Innenansichten“. Hier kommen NA und Autisten zu Wort. Natürlich werden auch die Diagnosekriterien aufgezählt, in der Einführung wird von Nerodiversität gesprochen. Den Teil der Außenansichten habe ich erst mal übersprungen und begann die Innenansichten angefangen.
Das Buch gibt auch Denkanstöße. NAs sollten bestimmte scheinbar „unpassende“Verhaltensweisen hinterfragen und herausfinden woher Verhaltensweise x, y und z kommt. Und dann eben nach Hilfemöglichkeiten schauen. Es wird gesagt, dass kein für NA unpassendes Verhalten auch unpassend ist. Es ist die Reaktion des Autisten auf für ihn unpassende/stressende Situationen.

Ich bin noch nicht sehr weit beim Lesen, denke aber, dass es empfehlenswert ist.
 
 
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